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Fee Hübner hat alle Facetten drauf
Das muss ja schon ein besonderes Zuhause gewesen sein, in dem Fe(e)licitas Hübner aufwuchs. Sicher ist es auch ein "Heimspiel", wenn der jüngste Spross dieser begabten Familie in der Heimatstadt Ravensburg mit Musikkabarett auf die Bühne tritt.
Ein strahlendes schmales Geschöpf mit kaum zu bändigendem hellem Lockenschopf und vielseitig musikalisch ausgebildet: Eine biegsame Stimme besitzt die 31-Jährige und als Schauspielerin hat sie alle Facetten der Sprechkunst drauf. Ihr Programm "Pannenhilfe" spielt gekonnt mit Klischees und wurde genau aus diesem Grund in den vergangenen zweimal Jahren ausgezeichnet.
Die drei Frauentypen - die besoffene Kammersängerin Lamprecht, die verklemmte Klavierspielerin Känzel und die ganz schön fiese Tusse Maggie - sind von ihr kreiert und gestylt und reichen von Zicke bis Nervensäge. Zu Beginn denkt man einen Moment, als die "Superstar"-Adeptin Maggie im rosa Plüschbolero sich kieksend schier nicht mehr einkriegt und dauernd von ihren Plateausohlen abrutscht: soll das jetzt so zwei Stunden weiter gehen? Aber dann greift doch die Struktur: Blondiblöd Maggie, die ihren tollen Dieter Bohlen anhimmelt, die olle Schrulle Känzel mit ihren Altjungferticks und dem zusammengepressten schiefen Mund, die pöbelnde Schnapsdrossel Lamprecht.
Finstere Leidenschaften -
Frau Känzel, die pflichtbewusste graue Maus und ehrenamtliche Altenpflegerin, in der die finstersten Leidenschaften toben, bricht beim Lied über ein totes Reh in bittere Tränen aus, ist aber sonst im Stillen eine Verfechterin der sofort vollstreckbaren Euthanasie. Die torkelnde Sängerin Lamprecht in gelber Federboa, deren Auftritt jedes Mal eine einzige Kalamität ist, sieht ihre Kunst unverstanden und hat einen wunderbaren Freund, Smirnoff mit Vornamen Wodka. Ihr Suff verschafft ihr einige hellsichtige Momente, wenn sie sich zum Beispiel über die Inhalte ihrer klassischen Lieder mokiert - das sind mit die stärksten Momente des unterhaltsamen Abends.
Die Lieder der drei Damen sind merkwürdigerweise allesamt nachtschwarz, makaber und nekrophil. Es wird darin finster gemordet, Blut getrunken, es werden Tiere gemeuchelt und Männer schikaniert oder gleich eingefroren.
Nur Intonation und Darstellung wandeln sich - der Grundton des Makabren, Unterminierenden und bitterböser Tabubrüche herrscht vor und wird doch zumeist in zucker-süßes Lächeln gepackt.
RAVENSBURG (dls)
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